Buchtipp: Das wiedergefundene Licht
Bücher sind fantastisch, weil sie einem neue Wellten aufzeigen, weil sie einen in vergangene oder zukünftige Zeiten reisen lassen und weil sie einem manchmal auch ganz neue Sichtweisen auf die eigene Welt ermöglichen – und dann gibt es Bücher, die machen all das zusammen. So ein Buch ist “Das wiedergefundene Licht” von Jacques Lusseyran.
Wann immer ich denke, ich hätte Probleme, dann versuche ich diese Probleme in Perspektive zu setzen. Und wenn ich meine Probleme mit denen von Jacques Lusseyran vergleiche, dann habe ich drei Probleme glücklicherweise nicht:
- Er ist blind
- Er lebt in Frankreich während des zweiten Weltkriegs und ist Mitglied im französischen Widerstand
- Er wird verhaftet und kommt nach Buchenwald
Irgendwie sind meine eigenen Probleme dann immer sehr schnell lächerlich. Aber um die geht es heute hier nicht, sondern um das Buch.
Aber bevor ich zu dem Inhalt des Buches komme, möchte ich noch kurz erzählen, wie ich auf das Buch gekommen bin. Es war durch einen Artikel (entweder in der Geo oder in der Brand Eins) über Blinde und wie sie die Welt wahrnehmen. Es gibt zum Beispiel blinde Maler, die ihre ganz eigene Vorstellung von Farbe haben und die sich Konzepte wie “Schatten” erst mühsam erarbeiten mussten. In diesem Artikel war auch ein Zitat aus diesem Buch abgedruckt.
Darin beschreibt Jacques Lusseyran wie er nach seiner Erblindung eine Art Licht wahrnimmt. ein Licht, dass heller wurde, wenn er ruhig, freundlich und geduldig war, und das dunkler wurde, wenn er zornig, ungeduldig oder ängstlich war. Ein Licht, dass ihn immer begleitete und das ihm half sein Leben und seinen Alltag zu meistern.
Ausgehend von dem oben erwähnte Zitat könnte man meinen, es ginge in dieser Geschichte stark um Themen wie Glauben oder Schicksal. Aber dem ist nicht so. Die Sache mit dem Licht wird in dem Buch nicht weiter ausgebreitet als in dem Zitat oben. Der Rest der Geschichte handelt vor Allem von weltlichen Ereignissen. Es gibt in dem Buch ein klares Glaubensbekenntnis, aber dies drängt sich dem Leser nicht auf. Es ist mehr wie eine Randerscheinung, so allgegenwärtig wie die Luft die wir atmen – und damit nicht besonders erwähnenswert.
In dem Buch nun erzählt Jacques Lusseyran seine Lebensgeschichte in den ersten 20 Jahren. Und er erzählt es vollkommen unprätentiös, was mich sehr überrascht hat. Ich war sogar fast enttäuscht, dass ein Mensch, der so viel ungewöhnliches erlebt hat, darüber schreibt als wäre es die alltäglichste Sache der Welt – und eigentlich nicht wirklich der Rede wert.
Ich finde es ist der Rede wert und es ist eine sehr außergewöhnliche Geschichte.
Hier der Schlusssatz des Buches:
Die Freude kommt nicht von außen; sie ist in uns, was immer uns geschieht. Das Licht kommt nicht von außen; es ist in uns, selbst wenn wir keine Augen haben.
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